Die Eingriffe des Federal Reserve Systems während Finanzkrisen im Wandel der Zeit

Die Eingriffe des Federal Reserve Systems während Finanzkrisen im Wandel der Zeit

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Inhaltsangabe:Einleitung: Problemstellung und Forschungsstand: In einer Rede zu Ehren des bedeutenden Wirtschaftswissenschaftlers Milton Friedman bemerkte Ben Bernanke, der aktuelle amerikanische NotenbankprAcsident, im Oktober 2002: Erlauben Sie mir, meine Rede zu beenden, indem ich meine Stellung als offizieller Vertreter der Federal Reserve ein wenig missbrauche. Ich mApchte Milton und Anna gern sagen: Was die GroAŸe Depression angeht, habt Ihr Recht. Wir waren schuld. Es tut uns sehr leid. Aber euretwegen werden wir es nie wieder tun. Bernanke bezieht sich mit seiner Reuebekundung direkt auf das Standardwerk A Monetary History of the United States 1867-1960 von Milton Friedman und Anna J. Schwartz, in dem die Aussage getroffen wird, dass die Fed wAchrend der Great Depression sowohl Auslassungs- als auch Aktionsfehler begangen habe. Sie habe es nicht nur versAcumt, krAcnkelnden Banken zu helfen und Bankpaniken zu verhindern, sondern deren Situation durch eine restriktive Geldpolitik gar verschlechtert. Dies habe A¼ber Reduktion des Geldmultiplikators zu einem stark sinkenden Geldmengenangebot gefA¼hrt und eine milde Rezession in die Great Depression bzw. die Great Contraction verwandelt. Ben Bernanke und Christina Romer ergAcnzen diese Erkenntnis um nicht-monetAcre Transmissionsmechanismen. WAchrend ersterer konstatiert, dass die BankzusammenbrA¼che Finanzintermediation erschwert und durch die folgende Kreditrationierung negativ auf den Output gewirkt hActten, stellt Romer fest, dass diese zu pessimistischen EinschActzungen A¼ber die wirtschaftliche Entwicklung gefA¼hrt und die Gesamtnachfrage reduziert hActten. Obwohl die Meinung von Friedman und Schwartz nicht uneingeschrAcnkt geteilt wird und im Laufe der Zeit bedeutende Kritik daran geA¼bt wurde, haben ein A¼berwiegender Teil der Forschungsergebnisse und Bernankes A„uAŸerungen dennoch Eines gemeinsam: Sie weisen der Fed und ihrer Geldpolitik fA¼r die Zeit der Great Depression mindestens eine Mitschuld zu und behaupten, dass ein effektives und glaubwA¼rdiges Auftreten der Fed als lender of last resort (LOLR) bei illiquiden aber solventen Banken, und auch liquiditActserhAphende Eingriffe einer Geld- und Kreditverknappung und der Deflation entgegengewirkt und negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft verhindert hActten. Die Erinnerungen an die Great Depression sind gerade im aktuellen, von der Finanzkrise geprAcgten Umfeld omniprAcsent. So wird in den Medien seit Monaten kolportiert, dass sich die Weltwirtschaft in der schlimmsten Krise seit der GroAŸen Depression befinde. Paul Krugman stellt beispielsweise in seiner Kolumne fA¼r die New York Times fest, dass die Weltwirtschaft in den letzten Jahren gefeiert habe wie vor 1929 und das Achnliche Ereignisse anstA¼nden, wie man sie 1930 erlebt habe: Die Party sei vorbei. Die Vergleichbarkeit der beiden Krisen, vor allem im Hinblick auf die Situation des Finanzsystems, ist allerdings diskussionsbedA¼rftig. Das suggeriert zumindest die aktuelle A„uAŸerung des NotenbankprAcsidenten, die an seine Feststellung aus dem Jahr 2002 anknA¼pft. Bernanke ist davon A¼berzeugt, dass die Fed heute die FunktionsfAchigkeit des Finanzsystems erhalte und dabei ZusammenbrA¼che von Geldinstituten, eine Deflation und das Schrumpfen der Geldmenge verhindere. Die Fed habe ihre Lektionen aus der Great Depression gelernt. Zentral fA¼r diese Arbeit sind die ZusammenbrA¼che von Geldinstituten. MakroApkonomen sind sich weitgehend darA¼ber einig auch wenn kein Konsens A¼ber den Transmissionsmechanismus besteht , dass die Krise im Bankensektor den wirtschaftlichen Einbruch wAchrend der GroAŸen Depression zumindest verstAcrkte und die InstabilitAct des Finanzsystems generell entscheidend fA¼r das AusmaAŸ eines volkswirtschaftlichen Abschwungs sein kann. Bankenkrisen kApnnen nAcmlich so schwerwiegend ausfallen, dass sie ein systemisches AusmaAŸ annehmen, wobei damit gravierende StAprungen von FinanzmAcrkten gemeint sind, die erhebliche negative Effekte auf die gesamte Wirtschaft haben. Dieses Gefahrenpotential bedingt stabilisierende Eingriffe in Zeiten von Finanzkrisen; Frederic Mishkin konstatiert, dass Zentralbanken daher das Ziel der FinanzmarktstabilitAct verfolgen und im Rahmen dessen Finanzkrisen vorbeugen und bekAcmpfen sollten. Das ist der ausschlaggebende Grund, warum der Fed damals wie heute eine zentrale Rolle in der KrisenbekAcmpfung zukommt und warum ihr Verhalten Gegenstand der vorliegenden Ausarbeitung sein wird. Unter der Voraussetzung, dass die Zentralbankeingriffe damals tatsAcchlich mangelhaft gewesen sind, kann lediglich ein Politikwandel der Fed eine positive Erwartung hinsichtlich der BekAcmpfung der aktuellen Finanzkrise rechtfertigen. Die ausfA¼hrliche Auseinandersetzung mit den damaligen wie aktuellen Interventionen der Fed bildet daher die Grundlage einer vergleichenden Betrachtung und Evaluation dieser Annahme. Im Fokus stehen dabei folgende Fragen: Welche MaAŸnahmen hat die Fed wAchrend der Bankenkrise der Great Depression und der aktuellen Finanzkrise ergriffen? Welches VerstAcndnis und welche Motive lagen ihrer Vorgehensweise zu Grunde? Waren und sind Folgen ihrer Eingriffe zu identifizieren und wenn ja, welche? Die Beantwortung dieser Fragen ist Voraussetzung um schlieAŸlich die letzte Frage zu beantworten, nAcmlich ob sich die Eingriffe der Fed im Laufe der Zeit gewandelt haben und wenn ja, inwiefern? Als Resultat wird vermutet, dass ein elementarer Wandel in der Politik des Federal Reserve Systems stattgefunden hat, der zugleich ein gezieltes Eingehen auf die LiquiditActsnot wAchrend der Finanzkrise mit sich bringt und damit, wie von Bernanke behauptet, einen Einbruch des Finanzsystems verhindert. Der enormen Bedeutung und Anerkennung des Werkes von Friedman und Schwartz fA¼r die Analyse der Great Depression wird auch in dieser Arbeit Rechnung getragen. Aktuelle ErgAcnzung findet das Standardwerk in der umfassenden wirtschaftshistorischen Ausarbeitung von Allan Meltzer, A History of the Federal Reserve , das vor allem einen Ersatz fA¼r den spAcrlichen Zugang zu PrimAcrquellen bietet. Diese bestehen im Wesentlichen aus Protokollen der Sitzungen des Offenmarktkomitees und Schriften ehemaliger Fed-Beamter wie George L. Harrison und werden in der vorliegenden Arbeit, soweit mApglich, ebenso berA¼cksichtigt wie historische und aktuelle Statistiken der Fed. Um die vielen fundamental divergierenden Meinungen, die insbesondere in Bezug auf die Great Depression existieren, analysieren und bewerten zu kApnnen, wird auAŸerdem ein umfangreicher Korpus an Zeitschriftenartikeln, Internetquellen und anderen Werken berA¼cksichtigt. Diese beschAcftigen sich mit den wesentlichen Fragestellungen und Facetten der Finanzkrisen und den geldpolitischen Eingriffen wAchrend der betrachteten ZeitrAcume 1929-1933 und 2007-2008. Eine einseitige BerA¼cksichtigung von Argumenten kann so vermieden und grundlegende Entwicklungen differenziert dargestellt werden. Gang der Untersuchung: Die vorliegende Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel. Nach dem einleitenden ersten Kapitel werden im zweiten Kapitel die wesentlichen Elemente einer Finanzkrise vorgestellt. AuAŸerdem wird kurz auf die Rolle einer Zentralbank wAchrend einer Finanzkrise eingegangen und danach das Federal Reserve System vorgestellt. Im Zuge dessen wird auf die Instrumente und Richtlinien der amerikanischen Zentralbank vor dem Hintergrund der in dieser Arbeit untersuchten Zeitabschnitte eingegangen. Im dritten Kapitel werden die Eingriffe der Fed wAchrend der Zeit der Great Depression dargestellt und analysiert. Im Fokus steht hierbei das Zusammenspiel der Bankenkrise und der MaAŸnahmen der Notenbank. Zudem sollen BeweggrA¼nde fA¼r das Vorgehen der Fed identifiziert werden. Im vierten Kapitel sollen die Eingriffe des Federal Reserve System wAchrend der anhaltenden Finanzkrise vorgestellt und analysiert werden. Auch hier steht, soweit es der Umstand der AktualitAct zulAcsst, die Wechselwirkung von Handlungen und Krise im Vordergrund. Im abschlieAŸenden fA¼nften Kapitel werden die MaAŸnahmen der Fed aus Kapitel drei und vier miteinander verglichen. Dabei sollen nicht nur Unterschiede und gegebenenfalls A„hnlichkeiten offengelegt, sondern auch die GrA¼nde fA¼r diese identifiziert werden. Im Zuge dessen werden auAŸerdem die einleitend gestellten Fragen zusammenfassend beantwortet und gleichzeitig A¼berlegt, welche Schlussfolgerungen diese eventuell fA¼r einen Ausblick zulassen. Inhaltsverzeichnis:Inhaltsverzeichnis: AbkA¼rzungsverzeichnisII 1.Einleitung1 1.1Problemstellung und Forschungsstand1 1.2Gang der Untersuchung4 2.Grundlagen4 2.1Definition des Begriffs Finanzkrise4 2.2Allgemeine Betrachtung einer Bankenkrise5 2.3Zentralbanken als lender of last resort 7 2.4Das US-amerikanische Zentralbankensystem8 2.4.1Die geldpolitischen Instrumente der Fed11 2.4.2Die geldpolitischen Richtlinien der Fed im 20. Jahrhundert12 3.Die Eingriffe des Federal Reserve Systems 1929-193313 3.1Die schwarzen Wochentage 1929 und Reaktionen der Fed13 3.2Die Fed wAchrend der Bankenkrise 193021 3.2.1Die Temin (1976) Perspektive23 3.2.2Die Friedman und Schwartz (1963) Perspektive25 3.2.3Die Eingriffe der Fed nach dem Kollaps der BUS29 3.3Zwischen den StA¼hlen: die Eingriffe der Fed 193131 3.4Die Expansive Geldpolitik der Fed 1932 und die RFC39 3.4.1Die GrA¼nde fA¼r die expansive Offenmarktpolitik 193241 3.4.2Die Auswirkungen der OffenmarktkAcufe 1932 und der RFC44 3.4.3Die GrA¼nde fA¼r den Stopp der OffenmarktkAcufe 193246 3.5Der finale Zusammenbruch48 4.Die Eingriffe der Fed wAchrend der Finanzkrise 2007/200851 4.1Von der Subprimekrise zur Finanzkrise51 4.2Die Eingriffe der Fed 200756 4.3Die Eingriffe der Fed 200863 5.Vergleich der Eingriffe und Schlussbetrachtung73 TabellenverzeichnisIV AbbildungsverzeichnisVI LiteraturverzeichnisVII Textprobe:Textprobe: Kapitel 3.4, Die Expansive Geldpolitik der Fed 1932 und die RFC: Die NCC hatte bis Dezember 1931 gerade einmal zehn Millionen Dollar verliehen und es wurde bald klar, dass die Kreditvergabestandards des Fonds zu konservativ waren. Auch wenn die Zahlen eine geringe Wirkungskraft attestieren, kann man trotzdem behaupten, dass die psychologische Wirkung der NCC den Run auf die Banken zwischen September und Oktober des Jahres 1931 beenden konnte. Die NCC wurde im Januar 1932 durch die Reconstruction Finance Corporation (RFC) ersetzt. ZunAcchst fA¼r ein Jahr gegrA¼ndet und staatlich finanziert, sollte sie Regierungskredite fA¼r alle Banken (auch Nichtmitgliedsbanken), Versicherungen, aber auch Eisenbahngesellschaften verfA¼gbar machen. Dabei sollten Kredite gegen Sicherheiten gewAchrt werden, die bei der Fed nicht diskontierbar waren. Die MaAŸnahme war eine Reaktion auf den Apffentlichen Druck und das DrAcngen von Meyer. Er sah diese als essentielle ErgAcnzung zur nAptigen expansiven Kreditpolitik der Fed. Erhofft hatte sich Meyer, der auch zum ersten Vorsitzenden des Fonds wurde, vor allem eine Verbesserung des Vertrauens der A–ffentlichkeit in den Bankensektor. Durch eine Abnahme der Zahl an Bank Runs erwartete er zugleich eine Verringerung der Bargeldhaltung und eine Zunahme an Krediten, da die Banken LiquiditAct nicht mehr horten wA¼rden. Die RFC war in ihrer Kreditvergabe generApser als die NCC. Zwischen Februar und August 1932 zahlte sie Kredite in HAphe von 679 Millionen Dollar aus, unter anderem an A¼ber 3.500 Banken. Danach brach das Volumen allerdings merklich ein. Dies lag vor allem daran, dass aufgrund politischer GeplAcnkel ab August 1932 die Namen der Institutionen verApffentlicht wurden, welche Kredite der RFC in Anspruch genommen hatten. Das fA¼hrte zu einer Stigmatisierung der RFC und Banken mieden in der Folge, aus Angst um ihren Ruf und die Glaubhaftigkeit ihrer ZahlungsfAchigkeit, die Kredite der RFC. Die Auswirkung der RFC auf die Situation der Banken wird in Kapitel 3.4.2. erlAcutert. Die Fed setzte ab MAcrz 1932 zu jenem groAŸzA¼gigen Schlag an, den Meyer und andere Direktoren vor allem aus der New Yorker Distriktnotenbank, gefordert hatten. Das OMPC beschloss im Februar 1932 den Kauf von Staatsanleihen am offenen Markt in HAphe von 250 Millionen Dollar in wApchentlichen Raten An 25 Millionen Dollar. Am 12. April 1932 beschloss das OMPC das Kaufprogramm in praktikablem Umfang zu beschleunigen. Dazu wurden die ErhAphung der wApchentlichen Raten von 25 auf A¼ber 100 Millionen Dollar und des Gesamtvolumens um 500 Millionen Dollar beschlossen. Diese Beschleunigung hielt bis Mitte Juni an, ehe die Verantwortlichen beschlossen, es zeitlich auszudehnen und ihr Pulver nicht zu verschieAŸen . Anfang August 1932 wurde das expansive Vorgehen dann gAcnzlich gestoppt. Der Bestand an Staatsanleihen in den BA¼chern der Fed war im Zuge der OffenmarktkAcufe um knapp eine Milliarde Dollar gestiegen. Dem standen ein Goldverlust und eine Abnahme der Wechselposition in HAphe von jeweils circa 400 Millionen Dollar gegenA¼ber. In Zusammenhang mit diesem ersten systematischen Versuch einer expansiven Offenmarktpolitik stellen sich mehrere Fragen, die im Folgenden beantwortet werden sollen. Die GrA¼nde fA¼r die expansive Offenmarktpolitik 1932: Die erste Frage ist, warum gerade jetzt solch ein groAŸzA¼giges Programm gestartet wurde? Der Hauptgrund war der zunehmende Druck von Seiten der A–ffentlichkeit, Politik und kritischer Stimmen innerhalb der Fed, der in einer neuen Gesetzeslage mA¼ndete. Es verbreitete sich zunehmend die Ansicht, dass das BekAcmpfen der starken Deflation nAptig geworden sei, um die amerikanische Wirtschaft anzukurbeln und die Situation des Bankensektors zu verbessern. Wie bereits in Kapitel 2.4.1. erlAcutert, war PreisniveaustabilitAct kein erklAcrtes Ziel der Fed. Preisschwankungen, insbesondere Deflation, waren nach der Real Bills Doktrin und der liquidationistischen Sichtweise gar erwA¼nscht, falls diese dazu dienen sollte, die Wirtschaft von den Folgen spekulativer Exzesse zu reinigen. Vor dem Hintergrund eines solchen VerstAcndnisses und in Ermangelung des Mandats der PreisniveaustabilitAct ist auch das ausbleibende Einschreiten der Fed gegen die starke Deflation nach Ende 1929 zu erklAcren. So fiel der GroAŸhandelspreisindex zwischen Oktober 1929 und Februar 1932 um knapp 33 Prozent. Dabei kApnnte der Deflation eine wichtige Rolle in der Bankenkrise zugekommen sein. Wenn Deflation erwartet ist, halten sich Konsumenten mit ihren Ausgaben zurA¼ck, um von weiteren Preissenkungen zu profitieren. AuAŸerdem treibt erwartete Deflation den (ex-ante) Realzinssatz nach oben und vermindert Investitionsanreize, weshalb weniger Kredite nachgefragt werden ( Mundell-Effekt ). Daher lagen die Zinsen nicht wie von den Verantwortlichen der Fed immerzu behauptet auf niedrigem Niveau. Das reale Zinsniveau lag enorm hoch und zwar Anfang 1932 bei knapp 20 Prozent. Falls Deflation nicht antizipiert wird, kApnnen beispielsweise LAphne zu hoch angesetzt werden oder ein Schuldendeflationsprozess nach Fisher kann entstehen. Laut Fisher kann das Zusammenspiel zwischen Schulden und Deflation wirtschaftlichen Abschwung erklAcren. WAchrend aus Sicht einer Unternehmung aufgrund von Deflation der nominelle Wert ihrer Anlagen und ErtrAcge abnimmt, bleibt ihre Schuldenbelastung gleich, da die Schuldkontrakte nominell fixiert sind. Dies hat zwei Konsequenzen. Zum einen fAcllt es Unternehmen schwerer, den Schuldendienst zu erweisen, weshalb ihr Ausfallrisiko, und letztendlich der Anteil Not leidender Kredite, steigt. Zum anderen kommen Unternehmen schwerer an Kredite, weil der Gesamtwert bzw. der Unternehmenswert im Vergleich zu den Schulden geringer ist. Die Banken sichern sich gegen das Ausfallrisiko ab, in dem sie weniger Kredite vergeben (Kreditrationierung) oder eine hAphere RisikoprAcmie verlangen, was Zinskosten in die HAphe treibt (Abb. 4). Investitionsanreiz und Output sinken und Unternehmenskonkurse nehmen zu, was wiederum die Rolle der Banken als GlAcubiger solcher Unternehmen schwAccht. Gerade in einem Umfeld geringer Diversifikation der Banken, wie zur Zeit der Great Depression, kann dies zu einem erhAphten MaAŸ an BankausfAcllen fA¼hren. Laut Bernanke kApnnen diese die Kosten der Finanzintermediation erhAphen indem sie dazu fA¼hren, dass die spezifischen Kenntnisse A¼ber vor allem kleine Unternehmen, ihr Umfeld und ihre KreditwA¼rdigkeit verloren gehen und eine vorsichtigere KreditgewAchrung der A¼berlebenden Banken bedingen. Diese Kreditrationierung stellt Unternehmen vor Schwierigkeiten, da sie mApglicherweise notwendige AœberbrA¼ckungskredite nicht gewAchrt bekommen und wirkt daher negativ auf den Output und die Ertragssituation der Unternehmen, die womApglich ihre GA¼ter zu noch niedrigeren Preisen verkaufen mA¼ssen. Dies verschlechtert im Endeffekt wiederum die Situation der Banken, da das Konkursrisiko der Unternehmen steigt. Der Wirkungsmechanismus wird somit zirkulAcr : Deflation steckt nicht nur hinter der Bankenkrise, sondern die Bankenkrise auch hinter der Deflation. Solch eine Spirale kann durch eine restriktive Geldpolitik der Zentralbank, wie sie beispielsweise im Oktober 1931 (aufgrund des Goldverlustes) der Fall war, verstAcrkt werden. Daher kann man behaupten, dass die Leitmotive der Fed, nAcmlich die Real Bills Doktrin und der Goldstandard, die Bankenkrise auch A¼ber den Deflationsmechanismus intensiviert haben dA¼rften. Das Stoppen der Deflation wurde jedenfalls zum kommunizierten Ziel der amerikanischen Geldpolitik. Zuvor musste aber die Free Gold Problematik behoben werden, da diese eine expansive Geldpolitik verhinderte. Hierauf zielte die neue Gesetzgebung ab. Der erste Glass Steagall Act (GSA) wurde am 27. Februar 1932 erlassen und erlApste die Verantwortlichen der Fed vom Problem mApglicher Goldverluste und des Free Gold . Dabei erweiterte das Gesetz die Liste zulAcssiger Wertpapiere, die bei der Fed diskontiert werden durften und erlaubte zudem die Deckung der Geldbasis durch Staatspapiere. Zwar war es der Fed schon vorher mApglich gewesen, Staatspapiere am offenen Markt zu kaufen, allerdings konnten diese erst jetzt zur Deckung von Verbindlichkeiten (sprich Geld) genutzt werden. Da die Erweiterung der diskontierbaren Wertpapiere mit den Prinzipien der Real Bills Doktrin eigentlich nicht vereinbar war, markierte dies einen fundamentalen Bruch mit ihren Leitprinzipien. Skeptische A„uAŸerungen einiger Gouverneure belegen dies. Die Argumentation James B. McDougals, Gouverneur der Chicagoer Distriktnotenbank, der sich gegen eine Erweiterung der eligible paper ausgesprochen hatte, kann als typisch fA¼r die Denkweise der Real Bills AnhAcnger herangezogen werden. Er war der Ansicht, dass die zu vermeidende Erweiterung der eligible Paper an sich ausreichend Anreize zur Refinanzierung der Mitgliedsbanken bei der Fed schaffen wA¼rde und damit OffenmarktkAcufe A¼berflA¼ssig werden wA¼rden. Einer anderen Gruppe unter den Verantwortlichen war jedoch zunehmend bewusst geworden, dass auAŸer der Deflation die stark reduzierte Kreditvergabe eine expansive Offenmarktpolitik in bisher unbekanntem AusmaAŸ unumgAcnglich machte. Der GSA hatte die FlexibilitAct zur DurchfA¼hrung von OffenmarktkAcufen gesteigert und damit den Grundstein fA¼r die umfangreichen KAcufe gelegt. Die GesetzesAcnderung und die RFC waren daher MaAŸnahmen der Regierung, welche die Fed zu einer expansiven Politik geradezu drAcngten. Aber auch nach der Riefler-Burgess Doktrin stand einer lockeren Geldpolitik nichts im Wege, lag doch die Verschuldung der Mitgliedsbanken bei der Zentralbank hoch genug um expansive Eingriffe zu rechtfertigen.Ein Vergleich anhand der Finanzkrisen der GroAŸen Depression 1929-1933 und 2007 / 2008 Ersen Ustaoglu. Mian, Atif und ... Siklos, Pierre (2007): The Feda#39;s Reaction to the Stock Market During the Great Depression: Factor Artefact? Workinganbsp;...


Title:Die Eingriffe des Federal Reserve Systems während Finanzkrisen im Wandel der Zeit
Author: Ersen Ustaoglu
Publisher:diplom.de - 2009-06-18
ISBN-13:

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